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Viel Ehre für den «Sprayer vo Züri»

25.10.2017    

Seit bald 40 Jahren ziert ein Graffiti von Harald Naegeli die Nordfassade des Deutschen Seminars der Universität Zürich. Bereits 1995 wurde das Werk des «Sprayers von Zürich» von der Baudirektion des Kantons Zürich als erhaltenswert eingestuft und mit einer Holzabdeckung geschützt. Vor gut 10 Jahren wurde das Graffiti im Rahmen von Malerarbeiten restauriert und konserviert.

Naegeli hatte in den 70er-Jahren einen grossen Bekanntheitsgrad in Zürich. Soweit ich mich erinnere gar bis nach Deutschland, wo er einen Asylantrag gestellt haben soll. Seine Strichmännchen und Sprayzeichnungen waren damals gedacht als Antwort und Protest auf immer mehr Beton und auf die zunehmende Anonymität der Stadt. Nach dem Verständnis der Baudirektion dokumentiert das Graffiti Naegelis ein Stück Stadtgeschichte und sei als Zeitdokument zu sehen, das es zu schützen gelte.

Schon in den 60er-Jahren habe auch ich Strichmännchen gezeichnet (allerdings auf Zeichenpapier oder in Malhefte). Kunst kommt unter anderem von Können. Geschätzte Leserinnen und Leser seien Sie nicht verwundert, wenn damals von mir und meinem Gekritzel nicht die Rede war. Sie war es nicht wert. Wenn Naegeli seine Männchen nicht an die Wände von Häusern gesprayt und damit fremdes Eigentum beschädigt hätte, wäre wohl auch er kaum in aller Munde gewesen. Nach meinem Empfinden waren seine Zeichnungen primär Sachbeschädigungen. Ihnen und der Baudirektion will ich mein Kunstverständnis nicht aufdrängen und es steht jedem zu, sein eigenes Verständnis zu vertreten.

Für den Schutz der erwähnten Zeichnung Naegelis wurden einige tausend Franken ausgegeben. Heute ist die Rede von weiteren «schützenswerten Werken» Naegelis und einer Entschädigung für sein «Tun». Wenn sie denn erhaltenswerte Kunst und Zeitdokument sein soll, ist dies bestimmt nicht zuviel. Zuviel ist mir aber die Haltung von Exponenten der Baudirektion. Sie halten es für sicher möglich, dass sich dadurch einige illegale Sprayer zusätzlich animiert fühlen. Auch habe man (persönlich) grundsätzlich Freude an Sprayzeichnungen und könne verstehen, wenn Betonmauern besprayt werden und damit Protest ausgedrückt wird…